Steuerliche Behandlung von Tagespflegepersonen

Für Tagesmütter und Tagesväter (Tagespflegepersonen) gelten bezüglich ihrer Einkünfte bestimmte Regelungen. Tagespflegepersonen sind in der Regel selbständig tätig. Nicht nur von privater, sondern auch von öffentlicher Seite (z. B. Land, Kommune, Jugendamt) gezahlte Vergütungen für die Betreuung von Kindern gehören zu den einkommensteuerpflichtigen Einnahmen. Dies gilt unabhängig von der Zahl der betreuten Kinder.

Ob sich im Einzelfall tatsächlich eine steuerliche Belastung ergibt, hängt aber davon ab, ob das gesamte Jahreseinkommen die steuerlichen Freibeträge überschreitet (siehe auch „Wann und in welcher Höhe fallen Steuern an?“).

Im Folgenden möchten wir Ihnen die wichtigsten steuerlichen Rahmenbedingungen erläutern und die am häufigsten gestellten Fragen beantworten.

Tagespflegeperson und Kinder
Tagespflegeperson und Kinder
Ist auch eine Einzelaufstellung statt der Pauschalen möglich?

Der Nachweis der tatsächlichen Betriebsausgaben ist die Regel; die Berücksichtigung der Betriebsausgabepauschalen stellt eine zulässige Vereinfachungsregelung dar. Wenn die tatsächlichen Kosten über den sich für alle betreuten Kinder insgesamt ergebenden Betriebsausgabenpauschalen liegen, ist es steuerlich vorteilhafter auf die Vereinfachungsregelung zu verzichten. Der Abzug tatsächlicher Betriebsausgaben erfordert, dass alle Einzelbelege gesammelt und in einer Einzelaufstellung dem Finanzamt vorgelegt werden. Einzelheiten zu möglichen Betriebsausgaben siehe Frage 8.

Bitte beachten Sie:
Werden die Betriebsausgaben einzeln nachgewiesen, ist der zusätzliche Abzug der Betriebsausgabenpauschalen nicht zulässig.

Wann und in welcher Höhe fallen Steuern an?

Es fallen nur dann Steuern an, wenn Ihr zu versteuerndes Gesamteinkommen die Grundfreibetragsgrenze von 9.168 € im Jahr 2019 (9.000 € im Jahr 2018) bei Ledigen und 18.336 € im Jahr 2019 (18.000 € im Jahr 2018) bei Verheirateten überschreitet. Unterschreitet das Gesamteinkommen diese Beträge, ist keine Einkommensteuer zu entrichten.

In Ihr zu versteuerndes Gesamteinkommen fließen neben den Einkünften aus der Tagespflege (= Gewinn) ggf. noch weitere Einkünfte (z. B. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung oder sonstige Einkünfte aus Rentenzahlungen) und auch die des Ehegatten ein, wenn Sie die Zusammenveranlagung beantragt haben.

Hinweis:
Für alle, die die zu erwartende steuerliche Belastung berechnen möchten, steht auf den Internetseiten des Bundesministeriums der Finanzen der kostenlose interaktive Abgabenrechner zur Verfügung.

Was hat es mit den Einkommensteuervorauszahlungen auf sich?

Während bei einem Arbeitsverhältnis monatlich Lohnsteuer vom Arbeitslohn einbehalten und von Arbeitgeberseite an das Finanzamt abgeführt wird, wird bei Selbständigen Einkommensteuer im so genannten Vorauszahlungsverfahren erhoben. Aus diesem Grund prüft das für Sie zuständige Finanzamt im Jahr der Existenzgründung anhand Ihrer Angaben in dem Vordruck „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung bei Aufnahme einer gewerblichen, selbständigen (freiberuflichen) oder landwirtschaftlichen Tätigkeit oder Beteiligung an einer Personengesellschaft/-gemeinschaft“, ob und ggf. in welcher Höhe von Ihnen Einkommensteuervorauszahlungen zu leisten sind. In den Folgejahren bemessen sich die Vorauszahlungen grundsätzlich nach der Einkommensteuer, die sich bei der letzten Veranlagung ergeben hat. Die Vorauszahlungen werden in einem Bescheid festgesetzt und sind jeweils quartalsweise zum 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember eines Jahres zu zahlen. Die bereits geleisteten Vorauszahlungen werden auf die Jahressteuerschuld angerechnet.

Bitte beachten Sie:
Vorauszahlungen müssen nur geleistet werden, wenn sie im Kalenderjahr mindestens 400 € und mindestens 100 € pro Vorauszahlungszeitpunkt betragen. Sollten sich im laufenden Kalenderjahr Änderungen gegenüber den Vorjahreswerten ergeben (z.B. durch Kündigung oder Neuaufnahme eines Betreuungsvertrages), können Sie jederzeit bei Ihrem Wohnsitzfinanzamt einen Antrag auf Anhebung oder Herabsetzung der Vorauszahlungen stellen.

Was muss bei der Einkommensteuererklärung beachtet werden?

Selbständig Tätige sind zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet. In dieser muss der Gewinn aus der selbständigen Tätigkeit angegeben werden.

Tagespflegepersonen müssen hierzu ihre Eintragungen in der Zeile 4 der Anlage S zur Einkommensteuererklärung für das Jahr 2018 vornehmen.

Bei Wahl der Gewinnermittlung durch Einnahmenüberschussrechnung (vgl. Frage 4) müssen Tagespflegepersonen als Unterlage zur Steuererklärung die Anlage EÜR grundsätzlich nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz elektronisch authentifiziert an die Finanzverwaltung übermitteln. Hierzu steht kostenlos das von der Finanzverwaltung angebotene Dienstleistungsportal „Mein ELSTER“ (vorherige Registrierung notwendig) zur Verfügung.

Die Anlage EÜR für das Jahr 2018 erscheint auf den ersten Blick sehr umfangreich. Sollten Sie allerdings die Betriebsausgabenpauschalen in Anspruch nehmen, sind in der Regel nur zwei Eintragungen erforderlich. Zum einen sind auf der Betriebseinnahmenseite Eintragungen in Zeile 15 (siehe hierzu auch „Was muss ich bei der Umsatzsteuer beachten?“) und zum anderen auf der Betriebsausgabenseite Eintragungen in Zeile 23 der Anlage EÜR (siehe hierzu auch „Was ist der Vorteil von Betriebsausgabenpauschalen?“, „Wie sind die Voraussetzungen für den Abzug der Betriebsausgabenpauschalen?“, „Wie hoch ist die Betriebsausgabenpauschale für betreute Kinder und wie ist die Betriebsausgabenpauschale aufzuteilen?“ und „Wie hoch ist die Betriebsausgabenpauschale für Freihalteplätze und wie ist sie aufzuteilen?“) erforderlich.

Hinweis:
Alle Selbständigen müssen die Steuerklärung 2018 spätestens bis zum 31. Juli 2019  grundsätzlich elektronisch an das zuständige Finanzamt übermitteln. Für die elektronische Abgabe der Einkommensteuererklärung steht Ihnen das von der Finanzverwaltung kostenlos angebotene Dienstleistungsportal „Mein ELSTER“ (vorherige Registrierung notwendig) zur Verfügung.

In bestimmten Fällen ist eine elektronische authentifizierte Übermittlung der jeweiligen Steuererklärung gesetzlich vorgeschrieben. Das benötigte Zertifikat erhalten Sie mit der Registrierung bei „Mein ELSTER“. Bitte beachten Sie, dass der Registrierungsvorgang bis zu zwei Wochen dauern kann. Mit dem Zertifikat können Sie die Steuererklärungen direkt über „Mein ELSTER“ erstellen oder aus ELSTER-Formular oder jeder zugelassenen Drittsoftware heraus elektronisch authentifiziert übermitteln.

Ist es Ihnen nicht zumutbar, Steuererklärungen elektronisch an das Finanzamt zu übermitteln, kann dieses auf Antrag die Abgabe in Papierform zulassen.

Weitere aktuelle Informationen zum Verfahren ELSTER erhalten Sie unter www.elster.de.

Eine generelle Fristverlängerung für die Abgabe der Einkommensteuererklärung bis zum Ablauf Februar des Zweitjahres wird nur dann gewährt, wenn Sie mit der Erstellung Ihrer Steuererklärung einen Angehörigen der steuerberatenden Berufe beauftragt haben. In Einzelfällen kann das Finanzamt die Steuererklärung auch vorzeitig anfordern

Wie sind Tagespflegepersonen kranken- und pflegeversichert?

Selbständig tätige Kindertagespflegepersonen können einer gesetzlichen Krankenversicherung beitreten, wenn sie vor Beginn der Kindertagespflegetätigkeit gesetzlich versichert waren – entweder im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses oder als Arbeitslose. Wer die Kindertagespflege nur in geringem Umfang ausübt, kann ggf. in der Familienversicherung der gesetzlichen Krankenversicherung mitversichert sein. Kindertagespflegepersonen können auch durch eine private Krankenkasse versichert sein.

Für freiwillige Mitglieder in einer gesetzlichen Krankenversicherung gilt Folgendes:

Die Mindestbeitragsbemessungsgrundlage (§ 240 SGB V) für gering verdienende Selbständige liegt seit 1. Januar 2019 bei einem durchschnittlichen steuerpflichtigen Einkommen von mehr als 1.038,33 € pro Monat.

Davon muss für die freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung 14 % an Beiträgen gezahlt werden. Kindertagespflegepersonen können wahlweise auch zusätzlich eine Krankengeldversicherung abschließen, um im Falle von Krankheit Krankengeld beziehen zu können oder Mutterschaftsgeld zu bekommen. Dann werden insgesamt 14,6 % fällig. Beträgt das durchschnittliche steuerpflichtige Monatseinkommen aus selbständiger Tätigkeit unter 1.038,33 €, wird der Mindestbeitrag von 145,37 € (ohne Krankengeld) bzw. 151,60 € (mit Krankengeld) fällig. Außerdem wird der Zusatzbeitrag der Krankenkasse in Höhe von ca. 1 % fällig.

Ist das tatsächliche Einkommen höher als 1.038,33 €, wird der Beitrag auf der Grundlage des tatsächlichen (nachgewiesenen) Einkommens berechnet.

Hinweis: Die nach dem Einkommen bemessenen Beiträge werden auf der Grundlage des zuletzt erlassenen Einkommensteuerbescheides festgesetzt. Wurde die selbständige Tätigkeit erst aufgenommen, werden die Beiträge auf der Grundlage der nachgewiesenen voraussichtlichen Einkommen festgesetzt.

Ab dem 1. Januar 2018 werden die Beiträge zur Kranken-/Pflegeversicherung vorläufig festgesetzt. Die Festsetzung erfolgt auf der Grundlage der tatsächlich erzielten beitragspflichtigen Einnahmen aus dem jeweiligen Einkommensteuerbescheid. Dies kann zu Beitragsnachzahlungen oder -erstattungen führen.

Neben der Erstattung der Unfallversicherungsbeiträge und der hälftigen Erstattung der Beiträge zur angemessenen Altersvorsorge ist auch die hälftige Erstattung nachgewiesener Aufwendungen zu einer angemessenen Kranken- und Pflegeversicherung durch den örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe gesetzlich festgeschrieben. Die Erstattungen der Sozialversicherungsbeiträge sind zudem steuerfrei gestellt. Diese zählen nicht zu den steuerpflichtigen Betriebseinnahmen.

Die selbst getragenen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge (d. h. die Beiträge abzüglich der erhaltenen Zuschüsse) können in der Einkommensteuererklärung als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Entsprechendes gilt für die Beiträge zur angemessenen Altersvorsorge.

Für die Familienversicherung (§ 10 SGB V) gilt:

Wer nur in geringem zeitlichem Umfang Kinder in Tagespflege betreut (also nicht hauptberuflich selbständig tätig ist) und ein steuerpflichtiges Einkommen von unter 445,00 € pro Monat erzielt, kann als Verheiratete oder Verheirateter in der Familienversicherung mitversichert sein, wenn der Ehepartner oder die Ehepartnerin in der gesetzlichen Krankenversicherung Mitglied ist. Ob eine hauptberufliche Tätigkeit anzunehmen ist, ist mit Ihrer zuständigen Krankenkasse im Einzelfall zu klären. Für Familienversicherte ist eine Krankengeldversicherung nicht möglich, Mutterschaftsgeld kann nicht beansprucht werden.

An wen wende ich mich, wenn ich weitere Fragen habe?

Für weitergehende steuerliche Informationen wenden Sie sich bitte an das für Sie  zuständige Finanzamt.

Mit außersteuerlichen Fragen rund um die Kindertagespflege wenden Sie sich bitte an das für Sie zuständige Jugendamt, den Fachdienst Kindertagespflege oder aber an das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, dass zur ersten Information auch den Flyer "Werden Sie Tagesmutter/Tagesvater" herausgegeben hat. Darüber hinaus enthält der Internet-Auftritt des Hessischen Kindertagespflegebüros eine Vielzahl von Informationen zur Kindertagespflege, auch zu rechtlichen Fragen.

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